Lexikon

Überlandbahn
Frühere Bezeichnung für zwischen mindestens zwei geschlossenen Ortschaften, vorwiegend auf eigenem Bahnkörper, verkehrende Straßenbahn mit vom Stadttarif abweichendem Tarifsystem. Betriebsführung, Stromversorgungseinrichtungen, Sicherungstechnik und Wagenpark können denen der Stadtstraßenbahn völlig entsprechen, jedoch auch mehr oder minder abweichen.
Bekannte Überlandbahnen: Mansfelder Kleinbahn (1900), Merseburger überlandbahn (1902), Schöneicher Straßenbahn (1910 als Benzolbahn, 1914 elektrifiziert), Thüringerwaldbahn (1929). Auf Grund der veränderten verkehrsgeographischen Bedingungen (Eingemeindung von Ortschaften, Ausdehnung von Ortschaften), durch Weiterentwicklung der Abfertigungssysteme und ihre Vereinfachung, vor allem aber auch durch Anwendung moderner Bauweisen bei Strecken- und Fahrleitungsanlagen sind in der Gegenwart signifikante Unterschiede zwischen der Straßenbahn und der überlandbahn kaum noch vorhanden.
Überspannungsableiter
Überspannungsableiter
Auf dem Wagendach der Triebwagen innerhalb des Stromabnehmerrahmens oder in der Nähe des Stromabnehmers angeordnete Vorrichtung zur Ableitung von Überspannungen. Bei ersten elektrischen Triebwagen in einfachster Form als freitragende Drosselspulen ausgebildet; nach 1900 zusätzlich zur Drosselspule Anordnung von Hörnerblitzableitern (zwei isoliert befestigte hornförmige Bügel, die durch eine Funkenentladung die Überspannung vernichten). Ab ca. 1930 vorwiedend spannungsabhängige Überspannugsableiter verwendet (gegenüber relativ niedrigen Spannungen hoher Widerstandswert, gegenüber sehr hohen Spannungen nur geringer Widerstandswert). Ableitung der Überspannungen durch Erdleitung.
Überspannungsschutz
Vorrichtung bei Triebwagen zur Vernichtung insbesondere bei Blitzschlag auftretender Überspannungen. Konstruktive Gestaltung bewirkt, dass nur die überspannungen vernichtet werden, der Durchgang des Fahrstroms vom Stromabnehmer zu den Fahrmotoren aber weiter gewährleistet ist.
Überstiegssperre
Zwischen den Stirnwänden von Triebwagen und Beiwagen angeordnete Vorrichtung, die ein übersteigen der Kupplung durch Personen ausschliessen soll.
Probeweisse Anwendung: Gotha Triebwagen 43 und Beiwagen 93 Baujahr 1956. Überstiegssperre für Exportausführungen der Einheitswagen Bauart Gotha ab 1957 angewendet.
Überstromausschalter
Schutzeinrichtung an Triebwagen gegenüber unzulässigen Stromstärkeerhöhungen. Dient zur Abschaltung der im Fahrstromkreis liegenden Einrichtungen (Motore, Fahrschalter, u.s.w.) und zum Schutz der Fahrleitung und Stromversorgungsanlagen bei Kurzschlüssen im Fahrzeug. Ursprünglich als Bleisicherung, dann als mechanische Messerschalter mit Betätigung durch Handhebel ausgeführt. Nach 1900 vor allem selbsttätig auslösende Überstromausschalter eingesetzt. Bei Zweirichtungswagen ist je Plattform ein Überstromausschalter angeordnet.
Wirkungsweise: Ein Elektromagnet, durch den ein Teil des Netzstromes fliesst, zieht bei unzulässig hoher Stromstärke einen Sperrhacken an, und der Schalthebel schnellt durch Federkraft zurück, so dass der Stromfluss unterbrochen wird. Zwischen 1910 und 1920 Einführung der gegenwärtig noch verwendeten Bauform mit Drehgriff. Der Schaltkasten des Überstromausschalters ist meist auf dem Wagendach mittig oder seitlich angeordnet. Bei Einheitsstraßenbahnwagen (Baujahre 1950-1954) jedoch unter der Dachhaube. Der überstromausschalter dient auch als Hauptschalter des Triebwagens (durch Einschalten von Hand kann der Triebwagen an die Fahrdrahtspannung gelegt, durch Ausschalten vom Netz getrennt werden).
UEG-Wagen
Straßenbahnwagen, äusserlich den AEG-Wagen sehr ähnlich und wie diese nach amerikanischem Vorbild gebaut. Die elektrische Ausrüstung weicht jedoch von AEG-Wagen ab und ist insgesamt fortschritlicher. Beispielsweise bereits bei ersten Lieferungen Walzenfahrschalter mit elektromagnetischer Funkenlöschung (vorwiegend Schleifringfahrschalter, zum Teil Nockenfahrschalter), elektrische Beleuchtung und Heizung. Reine UEG-Wagen der ersten Lieferung hatten als äusserliches Unterscheidungsmerkmal zu AEG-Wagen gerade Fenster (z.B. Erfurt Triebwagen 1..15 Baujahr 1894). Ab 1895/96 ist eine Differenzierung nach wagenbaulichen Merkmalen nicht mehr möglich. UEG-Wagen nach 1896 waren meist am neuentwickelten Fahrgestell kenntlich.
Umbauwagen
Straßenbahnwagen, dessen ursprünglicher Zustand mehr oder weniger verändert worden ist. Erste Umbauwagen aus Pferdebahnwagen zu Beiwagen oder Triebwagen vor 1900 erstellt.Später vorgenommene änderungen können sowohl den Fahrzeugteil (z.B. Schließung der Plattformen, verbesserte Fahrgestelle) als auch die elektrische Ausrüstung (Einbau leistungsverstärkter Fahrmotoren) umfassen.
Umformer
Bei Straßenbahnwagen zum Umformen der Netzspannung in Kleinspannung und zum Nachladen der Batterie angewendete rotirende Maschine (vorwiegend als Eingehäuseumformer, Motorgenerator) ausgebildet. Mit Einführung der Kleinspannungsanlage Mitte der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden Umformer erstmals bei Straßenbahnwagen (anfänglich als Achsgenerator) angewendet. Moderne Straßenbahnwagen besitzen anstelle des rotierenden einen statischen Umformer mit 24V Gleichspannungs- und gleichzeitigem 220V-Wechselspannungsausgang.
Umschaltwalze
Bei Walzenfahrschaltern, neben den Fahr- und Bremswalzen vorhandene Umschaltwalze für die Fahrtrichtung.
Umsetzgitter
Bei Straßenbahnwagen ab 1891 verwendete Stahlrahmengitter, die zur Absperrung der Plattformen auf der jeweils nicht zum Einstieg benötigten Wagenseite angewendet wurden. Umsetzgitter wurden bereits bei Pferdebahnwagen verwendet, waren jedoch in ihrer Gestaltung dem Eisenbahnwagenbau entlehnt. Mit Schließung der Plattformen wurden Umsetzgitter bei Straßenbahnwagen durch Türen ersetzt.
Unterflurfahrschalter
Unter dem Wagenboden von Triebwagen hängend oder liegend angebrachter Fahrschalter. Staub- und wassergeschütze Anbringung in Blechummantelung oder Einbau in vertiefter Bodenwanne. Wartungsmöglichkeiten durch Revisionsklappen vom Fahrgastraum aus. Betätigungsmöglichkeit entweder direkt (durch Kurbelmechanismus oder Schaltrad) oder indirekt (Druckknopfsteuerung). Bei mittiger Anordnung im Fahrzeug als Zentralfahrschalter bezeichnet.
Erste serienmäßige Anwendung der Unterflurfahrschalters: Hechtwagen (als Zentralfahrschalter mit indirekter Druckknopfsteuerung).
In der DDR erste Anwendung 1958: Berlin Tw 8002 (als Zentralfahrschalter mit indirekter Betätigung, Bauart StNFB 3z mit 21 Fahr- und 19 Bremsstufen) und 1959 (als in Höhe der vorderen Einstiegstür angeordneter, durch Schaltrad direkt betätigter Unterflurfahrschalter Typ StNFB 4 mit zunächst 20 Fahr- und 20 Bremsstufen, ab 1961 jedoch 22 Fahr- und 18 Bremsstufen). In Gelenkwagen Typ Gotha ab 1961, sowie in zweiachsigen Einhaitstriebwagen ab Typ T2-62 als Unterflurfahrschalter und als Zentralfahrschalter beim Typ T4-62 generell eingebaut. Zu den Unterflurfahrschaltern zählen auch die Beschleuniger.